Inhaltsverzeichnis
Unsere Stadt Olbernhau
Die Glockengeschichte
Die Kirchenbücher der Stadtkirche
Das Pfarramt
Das Diakonat
Das Lutherhaus
Die Gottesäcker
Die Kantorei

Unsere Stadt Olbernhau nach oben

Olbernhau wurde erstmals 1346 in einer genauen und zuverlässigen Matrikel erwähnt. Diese kirchliche Urkunde trägt die folgende Überschrift: "Matricula Jurisdictionis episcopatus Misnensis (Meißen) anno 1346".

Im Abschnitt "Sedes Sayda" werden 8 Orte genannt und darunter auch Olbernhau mit der Bezeichnung "Albernaw". Olbernhau ist also 1346 bereits ein Kirchdorf gewesen und die Entstehung dieses Dorfes dürfte zwischen 1200 und 1300 liegen.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1902 ist Olbernhau zur Stadt erhoben worden und am 1. April 1937 wurde schon die Gemeinde Kupferhammer Grünthal in die Stadt eingemeindet.

Am 1. Juli 1950 werden auch die Orte Ober-, Nieder- und Kleinneuschönberg mit Reukersdorf, bisher Kreis Freiberg, mit Olbernhau vereinigt. Als letzte Aktion wurden am

1. Januar 1994 die Gemeinden Blumenau und Rothenthal in die Stadt Olbernhau eingegliedert. Kirchlich gehören diese beiden Orte schon seit der Reformation zur Parochie Olbernhau. Damit erstreckt sich die "Stadt im Spielzeugland" nun im gesamten Tal der Flöha zwischen Hirschberg und Blumenau. Den noch dazu gehörenden Seitentälern der Schweinitz - Natzschung - Bärenbach - Dörfelbach - Rungstockbach und der Biela verdankt Olbernhau auch die Bezeichnung "Stadt der sieben Täler".


Die Glockengeschichte nach oben

Die 1590 neu erbaute Kirche besaß schon von Anfang an drei schöne Glocken und darauf konnte der kleine Ort schon sehr stolz sein. Der Kirchenneubau mit der Orgel, der Inneneinrichtung und dem neuen Geläut war schon eine gewaltige Leistung für die kleine Kirchgemeinde.

Leider konnten sich die Einwohner nur knapp 49 Jahre an dem Klang ihrer neuen Glocken erfreuen, denn am 7. Mai 1639 wurde das Geläut beim Brand der Kirche mit zerstört.

Die Gemeinde hat sich aber nach 1648 wieder ein 2 Zentner schweres Glöckchen zum Preis von 36 Taler gekauft. Zu dieser kleinen Glocke hat man sich danach noch eine zweite von

4 Zentnern gießen lassen, die 92 Taler kostete. Mit der Abzahlung dieser 128 Taler musste sich die arme Gemeinde bis 1662 abplagen und hat sich außerdem mit diesem wenig klangvollen Geläut noch lange zufrieden geben müssen.

1726 muss sich aber die Gemeinde ein neues Geläut von drei Glocken beschafft haben, denn das geht aus einem Zeitungsbericht vom 17. Juli 1885 hervor. An diesem Tag wird berichtet, dass die 1726 gegossene große Glocke einen Riss bekommen hätte.

Die Gemeinde war dadurch gezwungen, sich ein neues Geläut zu beschaffen und konnte sich damit auch gleich noch den schon lang gehegten Wunsch nach vier Glocken erfüllen.

Die Bestellung des neuen Geläuts wurde auch bald an die Firma Schilling in Apolda ausgereicht und am 8. Dezember 1885 konnten die vier neuen Glocken auch schon geweiht werden. Das war aber auch zum großen Teil der Opferfreudigkeit der Kirchgemeinde zu verdanken, denn es konnten dazu 4500 Mark Spendengelder gesammelt werden.

Nur reichlich 31 Jahre lang erklang das schöne Geläut dieser vier Glocken, denn inzwischen tobte der 1. Weltkrieg schon das dritte Jahr. Der Krieg ging in die Endphase und Material wurde dazu gebraucht. So schlug auch für das Olbernhauer Geläut am 16. Juli 1917 die Todesstunde, denn an diesem Tag mussten drei Glocken an die Heeresverwaltung abgegeben werden. Für den kirchlichen Dienst blieb nur die kleinste Glocke im Turm zurück.

Unverständlich war die damalige Aktion vor der Abgabe, denn diese drei Glocken wurden im Turm zerschlagen und die Bruchstücke heruntergeworfen. Es muss bei diesem Werk heulende Klänge gegeben haben, so als wenn sich die Glocken gegen ihre Vernichtung gewehrt hätten.

Diesem Irrsinn war schon eine unverständliche Aktion vorausgegangen. Aus der Orgel mussten 47 Prospektivpfeifen mit einem Gewicht von 116 kg Zinn entfernt und am 7. Juni 1917 auch schon an die Heeresverwaltung abgegeben werden.

Bis 1920 hat die kleinste Glocke ihren Dienst im Turm getan und nun galt es, bald wieder ein volles Geläut zu bekommen. Es war eine große Leistung der Kirchgemeinde nach dem verlorenen Krieg und der beginnenden Inflation, dieses Werk so bald zu vollenden. Am

15. September 1920 war es dann soweit, dass die vier neuen Glocken geweiht werden konnten und dass danach ihr volles Geläut wieder über unserer Stadt erklang.

Dem zweiten Olbernhauer Geläut nach 1885 war aber eine weit kürzere Lebenszeit beschieden, denn schon 19 Jahre später begann der 2. Weltkrieg. Am 18. Februar 1942 kam es zur Wiederholung der sinnlosen Aktion von 1917 und wieder mussten die drei großen Glocken vom Turm geholt und abgegeben werden. Die kleinste Glocke konnte dabei wieder im Turm verbleiben und ihren kirchlichen Dienst verrichten.

Nach dem zweiten verlorenen Weltkrieg war die Beschaffung neuer Glocken schon ein weit größerer Kraftakt als im Jahr 1920. Unter der tatkräftigen Leitung von Pfarrer Karl Wohlgemuth wurde erst mal die Kirche vom Fundament bis zur Turmspitze renoviert.

Als krönender Abschluss kam dann am 27. November 1952 das neue Geläut aus Apolda nach Olbernhau und wurde am nächsten Tag vom Gelände der Firma Sachse und Steinert zum Gotteshaus transportiert. Nach einer Feierstunde an der Kirche wurden die drei Glocken hochgezogen und an ihrem Bestimmungsort im Turm aufgehangen. Am 30. November 1952, dem 1. Adventssonntag, wurde beim Gottesdienst die renovierte Kirche geweiht. Anschließend erfolgte durch den damaligen Missionsdirektor und Pfarrer Wagner aus Leipzig, einem ehemaligen Olbernhauer, die Glockenweihe.

Seit nunmehr 50 Jahren erschallt das Geläut dieser drei Glocken über unsere Stadt und möge es noch viele, viele Jahre im Frieden zum Wohlgefallen unserer Gemeinde erklingen.


Die Kirchenbücher der Stadtkirche nach oben

Diese Bücher sind als Urkunden außerordentlich wichtig, denn von 1579 bis 1878 bilden sie die einzige Grundlage der Bevölkerungsbewegung . Durch zahlreiche Todesfälle weisen sie auf schlimme Seuchen- und Notjahre hin. Geburtsfreudige Jahre lassen dagegen auf bessere Gesundheit und größeren Wohlstand in der Gemeinde schließen. Diese Bücher sind in der Pfarramtskanzlei untergebracht.

Die erste Bucheintragung stammt aus dem Jahr 1579 und betrifft eine Taufe. Das ist 11 Jahre vor dem Bau der steinernen Kirche und 40 Jahre nach der Einführung der Reformation in Olbernhau geschehen. Der Inhalt der Kirchenbücher betrifft in Registerform die Taufen, Trauungen und Beerdigungen und sind jeweils vom amtierenden Pfarrer geführt worden. Diese Eintragungen erfolgten handschriftlich und sind zum Teil schwer leserlich.

Seit 1878 führen staatliche Standesämter diese benötigten Daten der Ortsbewohner durch und sie sind damit zuständig für die Bevölkerungsbewegung.

Ab 1887 wurden von der Kirche auch die Konfirmations-Register in die Kirchenbücher eingetragen. Aber ab 1945 werden nur noch die kirchlichen Handlungen registriert und diese betreffen die Taufen, Trauungen und die Beerdigungen.

Die Eintragungen sind in deutscher Sprache geführt worden und die lateinische Sprache tritt nur in Wortabkürzungen auf, wie sie allgemein verwendet wurden. Für die Wochentage sind die allgemein üblichen und abkürzenden Zeichen aus der Astronomie verwendet worden.


Kirchliche Nebengebäude


Das Pfarramt nach oben

Am 24. Januar 1881 brennt die alte Pfarre gegen 4 Uhr morgens vollständig nieder, denn durch die ungeheure Kälte waren die Löscharbeiten fast unmöglich Außerdem passte die alte Pfarre, ein eher ländliches Gebäude, nicht mehr in das Ortsbild der aufstrebenden Landgemeinde Olbernhau. Sie war inzwischen auch schon 230 Jahre alt, denn als Baujahr kann man etwa das Jahr 1650 annehmen. Das vorhergehende Pfarrgebäude war am 7. Mai 1639 dem Schwedenbrand mit zum Opfer gefallen.

Mit dem Pfarramtsneubau gab es anfangs einige Verzögerungen und Streitigkeiten bezüglich der Zuordnung der Pfarrgrundstücke als Pfarrlehn oder als Kirchenlehn. Aus diesem Grund konnte das neue und mehr städtische Gebäude vom Baumeister Gustav Neubert erst am 3. März 1883 an Pfarrer Pinder übergeben werden.

Das Erdgeschoss des Pfarramtes ist mit den erforderlichen Verwaltungsräumen besetzt und im ersten Obergeschoss befinden sich die Wohnräume des jeweils leitenden Pfarrers der Kirchgemeinde Olbernhau.

Das waren seit 1883 die Pfarrer Pinder, Böhme, Schanz, Backhaus, Wohlgemuth, Böttrich, Wappler, Rast und Beyer.


Das Diakonat nach oben

Dieses Gebäude befand sich mit der Nummer 1 an der Blumenauer Straße und ist früher auch als Diakonatsschule bezeichnet worden. Es wurde 1728 als Fachwerkhaus errichtet und diente anfangs als Schule für den Latein-Unterricht und später auch für den Christenlehre-Unterricht.

Die Unterrichtsräume befanden sich im Erdgeschoss und das Obergeschoss wurde als Wohnung genutzt. Dieses Diakonat gehört nun auch schon der Geschichte an, denn im Jahr 1996 musste dieses 268 Jahre alte Gebäude dem Ausbau der Blumenauer Straße weichen.

Es ist abgebrochen worden und an dieser Stelle befindet sich nun ein kleiner Parkplatz.

Die Kirchgemeinde Olbernhau besaß aber zwischen 1902 und 1929 auch noch das Grundstück Bahnhofstraße 19. Im Wohnhaus wohnten in dieser Zeit die Pfarrer Hermann Richard Wolf und Max Führer.

Auf diesem Grundstück befand sich im Hof noch ein kleines einstöckiges Gebäude, in dem die weibliche und männliche evangelische Jugend ihre Heimabende durchführte.

Nach der Fertigstellung und Inbetriebnahme des neu erbauten Lutherhauses ist das Grundstück Bahnhofstraße 19 im Jahr 1929 an den Landmesser Ernst Martin Heinicke verkauft worden.


Das Lutherhaus nach oben

Dieser Neubau war in den Jahren 1928/29 an der Blumenauer Straße 1a errichtet worden und war für die Kirchgemeinde eine notwendige Maßnahme. Im Erdgeschoss wurde ein großer Versammlungsraum geschaffen, der auch größenmäßig verändert werden kann. In den Obergeschossen wurden die dringend benötigten Wohnungen für die Pfarrer und Kirchenangestellten eingerichtet.

Am 14. Juli 1929 konnte dieses stattliche Bauwerk im Zusammenhang mit dem Kirchgemeindetag eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Gottesäcker nach oben

Vor 1590 besaß das Dorf Olbernhau nur ein kleines hölzernes Kirchlein, das damals auf dem Grundstück zwischen dem heutigen Pfarramt und dem Haus Blumenauer Straße 4 gestanden hat. Die Verstorbenen beerdigte man zu dieser Zeit an dieser kleinen Kirche. Dieser Ort war damit auch der erste Olbernhauer Kirchhof. Den Ansprüchen der wachsenden Bevölkerungszahl des Ortes genügte dann bald die hölzerne und altersschwache Kirche nicht mehr. Die Gemeinde entschloss sich deshalb 1583 zum Bau unserer heutigen Kirche und am 2. November 1590 konnte das neue Gotteshaus geweiht werden. Danach wurde das alte Kirchlein abgebrochen, aber die Verstorbenen beerdigte man weiter auf dem alten Kirchhof und es wurde nun der erste Friedhof des Ortes daraus.

Ab 1596 entstand dann zusätzlich an der neuen Kirche der Kirchhof als Begräbnisstätte. Dieser Ort wurde aber hauptsächlich von bevorzugten Familien des Dorfes belegt, während die ärmere Bevölkerung weiter auf dem alten Gottesacker beigesetzt wurde. Das beweisen schon die noch vorhandenen Grabdenkmäler, die sich diese Familien leisten konnten, während für den Rest der Bevölkerung sicher nur ein Holzkreuz an den Verstorbenen erinnerte.

Dieser alte Friedhof am damaligen Fahrweg nach Blumenau wurde bis etwa 1770 belegt, das beweist ein Kaufbucheintrag. Es steht dort geschrieben, "dass Fürchtegott Leberecht Goldammer am 31. Dezember 1817 den alten Gottesacker von der Kirche gekauft hat und dass dieser schon über 40 Jahre wegen Unbrauchbarkeit nicht mehr benutzt wurde."

Neben diesem Friedhof an der Pfarre gab es schon vor 1600 den "Pestgottesacker", der etwas abseits vom Orte "in der Aue drüben über dem Flöhawasser" lag, wie es die Chronik berichtet. Dieser "Alte Friedhof", wie ihn der Volksmund noch im vergangenen Jahrhundert nannte, lag an der Töpfergasse und auf ihm wurden im Anfang nur die Pesttoten bestattet. Nach 1770 bis 1886 war dann dieser Friedhof, außer dem Kirchhof, die einzige Begräbnisstätte von Olbernhau. Man hatte ihn 1837 noch erweitert und mit einer Mauer umgeben. Nach 1900, nach Ablauf der gesetzlichen Liegezeit für die Bestatteten, ist dieser Friedhof geschlossen worden.

Durch die wachsende Bevölkerungszahl der Landgemeinde Olbernhau war der Gottesacker an der Töpfergasse dann doch zu klein geworden. Aus diesem Grund wurde 1886 der heutige Friedhof auf kircheneigenem Grundstück an der Zöblitzer Straße angelegt und am 8. August 1886 erfolgte dazu die Einweihung.

Man hatte wohl nicht so schnell damit gerechnet, dass das vorgesehene Areal für die Gemeinde Olbernhau, Blumenau, Nieder- und Kleinneuschönberg so rasch zu klein werden würde. So wurde 1900 auch noch der untere Teil des heutigen Friedhofes angelegt und am

25. November 1900, dem Ewigkeitssonntag, geweiht. Ein großer Teil der Kirchgemeinde nahm an dieser Weihe - mit einem Zug von der Kirche aus - daran teil.

Nach der Erweiterung des Friedhofes wurde auf diesem neuen Teil die Grabkapelle gebaut und diese Redehalle ist am 22. November 1903 unter reger Teilnahme der Kirchgemeinde geweiht worden. Das ältere Gebäude auf dem oberen Friedhofsteil dient seitdem nur noch als Aufbahrungshalle.

Nach dem 2. Weltkrieg ist der Gottesacker nochmals stadtauswärts vergrößert worden und grenzt nun an die kleine Gartenanlage, die sich auch auf kircheigenem Grundstück befindet. Mit dieser letzten Erweiterung des Friedhofes wird wohl der Bedarf an Grabstätten für Olbernhau für alle Zeit gedeckt sein.

Es muss aber auch noch erwähnt werden, dass in früheren Zeiten einzelnen Toten selbst in der Kirche ein Ruheplatz eingeräumt wurde. Es sind dazu ausgemauerte Grüfte geschaffen worden, die sich im Altarbereich befinden und heute noch vorhanden sind. Bei der letzten grundhaften Kirchenrenovierung sind 12 Ruhestätten gefunden worden und es gibt von zwei Grüften auch einen Fotobeleg.

Das Kirchenbuch sagt dazu aus, dass z. B. folgende Personen in der Kirche ihre letzte Ruhestätte fanden. Das war 1624 Pfarrer Melchior Teicher, 1725 der Faktor Ägidius Rhodt (nicht zu verwechseln mit Augustus Rhodt) und 1770 der Amtmann Gensel jun.

Diese Namen sagen aber auch aus, dass es Personen waren, die sich für die Kirchgemeinde ganz besonders verdient gemacht haben und dazu hat sicher auch Pfarrer Elias Pistorius gehört. Dieser tapfere Mann hat mit seiner Gemeinde die ganzen Nöte des 30jährigen Krieges getragen und ist 1664 in Olbernhau gestorben. Von ihm stammen im Kirchenbuch die Berichte aus dieser schweren Zeit, die Pfarrer Pinder in seiner "Geschichte der Kirchfahrt Olbernhau" verewigt hat.


Die Kantorei nach oben

Die Anfänge der Olbernhauer Kantorei reichen bis in die Zeit vor dem 30jährigen Krieg zurück und das beweist ein Visitationsprotokoll vom Jahr 1617.

Das neu erbaute Gotteshaus hatte die Gemeinde schon bald dazu angeregt, die Gottesdienste mit Gesang und Musik feierlicher zu gestalten und daraus entstand dann 1620 die Kantorei.

In Olbernhau soll man damals schon frühzeitig mehr mit der Pflege der kirchlichen Musik getan haben als in den meisten Gemeinden in der umliegenden Region.

Die Kantorei bestand in alter Zeit aus ungefähr 20 Mitgliedern, von denen die Hälfte Sänger und die übrigen Musiker waren. Die Musiker wurden auch "Forstpfeifer" genannt, weil sie bei den kurfürstlichen Jagdgelagen im Olbernhauer Revier den hohen Herrschaften wiederholt etwas aufspielen mussten. Sie sind aber auch fürstlich belohnt worden, denn sie erhielten dafür ein Stück erlegtes Hochwild und eine Tonne Bier.

An der Spitze der Kantorei stand der Lehrer von Olbernhau als Dirigent und der Lehrer von Grünthal als Organist. Die besten Sänger aus beiden Schulen sind im Anfang auch zum Kirchenchor genommen worden.

Die Olbernhauer Kantorei hat in ihrer langen Geschichte viele Höhen und Tiefen erleben müssen, sie hatte aber auch mehrere ganz hervorragende Leiter erhalten. Darunter ist Karl Dankegott Kretzschmar hervorzuheben, der als genialer Organist und ausgezeichneter Sänger gerühmt wird. Seinem Sohn Hermann hat er diese Gabe mit in die Wiege gelegt, der wurde aber noch viel berühmter als sein Vater. Als der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Hermann Kretzschmar ist dieser Musikwissenschaftler in die deutsche Musikgeschichte eingegangen und auch als Sohn der Stadt Olbernhau.

Im Jahr 1887 brachte das von Pfarrer Pinder und Kantor Henker geschaffene neue "Statut für die Kantorei Olbernhau" eine zeitgenössischere Regelung des Kantoreiwesens hervor.

Eine große Persönlichkeit in der Reihe der Leiter der Kantorei war Moritz Förster, der am

15. Juni 1891 als Kantor und Lehrer nach Olbernhau kam und die Nachfolge von Ernst Ludwig Henker antrat, der von 1870 bis 1891 in Olbernhau tätig war. Moritz Förster ist auch bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1929 der letzte Leiter der Kantorei Olbernhau gewesen.

Mit seinen Männern und auch mit der Kirchgemeinde hat er aber am 14. März 1920 noch das 300jährige Bestehen der Kantorei feiern können.

Moritz Förster war ganz besonders stark mit dem Gesang und der Musik verbunden und er hat in dieser Eigenschaft 1902 die 1. Auflage des "Liederkranz für die deutsche Jugend und das deutsche Volk" herausgegeben. Dieses Liederbuch gehörte danach zur Gesangsausrüstung der Schülerinnen und Schüler an den Olbernhauer und teilweise auch sächsischen Schulen. Seine großen Verdienste um die Förderung des Gesangs hat der Volksmund mit dem Namen der "Gesangsförster aus Olbernhau" honoriert.

Als Abschluss soll auch noch an die Nachfolger von Moritz Förster gedacht werden, die in unserer Stadtkirche tätig waren und es auch noch sind. Das waren die Kantoren Max Kirmse, Alfred Schaller, Christian Förster, Erich Lang, Wilhelm Polster, Rolf Rademann, Christian Drechsler und Armin Winkler.